Geschichte

Seit 1568 gibt es an der Universität Rostock Pflanzensammlungen, die später in einen Botanischen Garten mündeten. Damit gehört er im Prinzip zu den ältesten in Europa. Die Einrichtung zog seither viermal um bzw. wurde, auch nach einer Unterbrechung, neu angelegt. Die ersten drei Gärten lagen im Gebiet der heutigen Innenstadt (an der Langen Straße, der Schwaanschen Straße und der Haedgestraße) und dienten vorrangig der Anzucht von Medizinalpflanzen für die Ausbildung der Medizinstudenten. Darunter befand sich ein von J. D. und L. F. Haedge für Lehre und Forschung gepachteter Garten, der unter anderem vom ersten Rostocker Professor für Naturgeschichte und Botanik, Heinrich F. Link, mit südwesteuropäischen Pflanzen von Originalwuchsorten bestückt wurde (nach einer gemeinsamen Reise mit J. C. von Hoffmannsegg 1797–1799). Link sowie seine Nachfolger Ludolf C. Treviranus und Heinrich G. Flörke kämpften vergeblich für die Anlage eines Botanischen Gartens, der besser den wissenschaftlichen Anforderungen gerecht werden konnte. Unter Johannes A. C. Roeper, Professor für Botanik 1836–1881, wurde 1844 sogar der Vertrag mit Gärtner Haedge jun. wegen unzureichender Gegebenheiten annulliert.

Vierter Botanischer Garten mit Botanischem Institut aus klassizistischer Zeit an der Doberaner Straße

Kontakt

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botanischer.garten(at)uni-rostock.de

Hugo Baum, gemalt von Egon Tschirch 1927. Im Bestand des Kulturhistorischen Museums Rostock

Erst der beharrliche Kampf um Bereitstellung ausreichender Gelder durch Karl von Goebel, Ordinarius für Botanik 1882–1887, führte schließlich zum Erfolg. 1884 wurde am damaligen Stadtrand ein nur 3 ha großer Botanischer Garten mit einem neuen Botanischen Institut an der Doberaner Straße eröffnet, die bis kurz nach der Jahrtausendwende als solche in Betrieb waren.

Ein wichtiger mit dem Botanischen Garten Rostock verbundener Forscher ist Hugo Baum (1867–1950). 1899–1900 nahm er an einer Expedition nach Südangola teil und brachte Aufsammlungen von 840 Pflanzenarten mit, darunter über 300 bis dahin unbekannte Taxa. 1901–1933 wirkte er als Garteninspektor (Technischer Leiter) in Rostock. 1925 war es ihm möglich, eine Forschungsreise nach Mexiko zu unternehmen, die wiederum zur Entdeckung zahlreicher bis dahin unbeschriebener Sippen (v. a. Kakteen) führte.

Da das Gartengelände an der Doberaner Straße aufgrund seiner Kleinheit von Beginn an den wissenschaftlichen Anforderungen nicht gerecht wurde, bemühte sich schon bald Paul Falkenberg, den vorhandenen Garten zu erweitern. Falkenberg war 1887–1923 Inhaber des Botanik-Lehrstuhls und Gartendirektor. Die Bemühungen führten jedoch erst während der Amtszeit (1923–1957) von Hermann von Guttenberg zur Realisierung einer neuen, der heute bestehenden Anlage. 1935–1939 wurden mit den Landschafts- und Gartenarchitekten Arno Lehmann und Erich Rulsch die Planungen für den heutigen Garten an der Hamburger Straße entwickelt, die auch ein repräsentatives Institutsgebäude und eine umfangreiche Gewächshausanlage beinhalteten. Das heutige 7,8 ha große Gartengelände wurde 1939 eröffnet und inzwischen unter Denkmalschutz gestellt. Bedingt durch Eintreten und Folgen des Zweiten Weltkriegs kam es letztlich nur zur Einrichtung des Freigeländes ohne die geplanten Hochbauten.

Unter der Leitung von Helmut Pankow, Lehrstuhlinhaber und Gartendirektor 1961–1996, wurden daher neben dem zu entwickelnden neuen Garten die Anlagen an der Dobaraner Straße weiter betrieben. Letztere wurden um die Jahrtausendwende sukzessive leergezogen und schließlich aufgegeben, nachdem 2009 ein erster Bauabschnitt der Loki-Schmidt-Gewächshäuser auf dem Gartengelände an der Hamburger Straße in Betrieb genommen wurde. Er beherbergt die tropischen Nutz- und Regenwaldarten sowie die Sukkulentensammlung. Ein weiterer Gewächshausneubau wurde Anfang 2011 übergeben, der als Arbeits- und Anzuchtgewächshaus konzipiert ist und zwischenzeitlich die Sammlung der Pflanzen mediterraner Klimate beherbergt. Mit weiteren Bauabschnitten sollen mittelfristig alle Bereiche des Lehrstuhls Allgemeine und Spezielle Botanik auf dem Gelände des heutigen Gartens zusammen geführt werden.

Loki Schmidt, über viele Jahre engagierte Förderin des Botanischen Gartens Rostock und herausragende Kennerin und Fürsprecherin der Biodiversität und des Artenschutzes, bei der Eröffnung der nach ihr benannten Gewächshäuser am 15. Mai 2009