Bienen als Bestäuber

Foto: Sonja Schweinitz

Bienen sind als Begleiter des Menschen schon seit Langem beliebt, sei es als Produzenten gesunden Honigs und duftenden Wachses, als fleißiges und wehrhaftes Fabelwesen oder als Hauptfigur in Roman, Theater und Film. Bienen verdienen jedoch unsere Sympathie und Wertschätzung noch wesentlich stärker wegen ihrer Bestäubung eines Großteils der Blütenpflanzen weltweit. Ohne ihre Bestäubungsleistung gäbe es keine sexuelle Fortpflanzung und damit keine Früchte und Samen bei rd. 90 % aller Blütenpflanzen (Angiospermen). Hierbei denken wir zunächst meist nur an die Honigbiene, denn in Deutschland ist sie die einzige Bienenart, die große Völker bildet, die sich in Staaten organisiert und entsprechend größere Mengen an Honig für die Ernährung ihres Nachwuchses produziert. Sie ist jedoch nur eine von knapp 600 Bienenarten in Deutschland und von rd. 20 000 weltweit, die ausnahmslos und mitunter hoch spezialisiert Blüten von Pflanzen bestäuben. Neben Käfern, Fliegen und Schmetterlingen (in geringerem Maß auch Vögeln und Flughunden) bilden sie die größte und wichtigste Gruppe an Bestäubern auf der ganzen Welt. Der wirtschaftliche Wert ihrer Bestäubungsleistung bei Nutzpflanzen ist immens, er wird auf über 300 Milliarden Euro pro Jahr weltweit geschätzt.

Die Vielfalt an Insekten ist inzwischen in städtischen Gebieten und dort in Botanischen Gärten häufig größer als in der umgebenden offenen Landschaft, d. h. sie ist nur das, was im Zuge des allgemeinen dramatischen Insektensterbens noch verblieben ist. Dies ist eine Folge der immer fortgeschritteneren Ausräumung der Landschaften und Intensivierung ihrer Nutzung. Insbesondere die vielen, auf einzelne Pflanzenarten spezialisierten Wildbienen finden diese selten gewordenen Pflanzen in Botanischen Gärten, so dass sie sich dort ansiedeln und die Insektenwelt bereichern können. Da vor allem von den Tausenden wilder Bienenarten weltweit die Bestäubung und Vermehrung vieler Tausend Pflanzenarten abhängt, darunter rd. 80 % aller vom Menschen genutzen Arten, ist ein Botanischer Garten ein prädestinierter Ort für Bildungsarbeit bzgl. dieses für das Überleben der Menschheit essenziellen Themas.

Zu diesem Zweck betreibt der Botanische Garten zusammen mit der Imkerin Sonja Schweinitz ein Bildungsangebot "Bieneninformationsgarten" mit drei Honigbienenvölkern, einem Bienenschaukasten, sieben Nistquartieren für Wildbienen und weitere Insekten sowie Informationsmaterialien im westlichen Bereich des Gartens. Neben den Fragen zur richtigen Unterbringung und Haltung von Honig- und Wildbienen stehen vor allem die für sie geeigneten Lebensräume, Nahrungspflanzen und weitere Ressourcen im Mittelpunkt, die für den gesamten Lebenszyklus über das ganze Jahr hinweg erforderlich sind. Nur durch die Bereitstellung aller wichtigen Lebensgrundlagen können bestäubende Insekten vor Ort überleben und dabei die unersätzliche Bestäubungsleistung an Pflanzen erbringen.

Dass dies nicht schwierig ist und jeder Mensch im eigenen Umfeld hierzu beitragen kann, erfahren Sie ferner bei speziellen Führungen und in einem Podcast, der aus der Reihe der "Pottkieker"-Sendungen auf Radio Lohro stammt (rechts). Unser herzlicher Dank gilt Radio Lohro für das Zurverfügungstellen der Sendung nach redaktioneller Entfernung der Musikbeiträge.

Das Projekt wird unterstützt von den Neuland-Apotheken.

Podcast einer Sendung über unseren Bieneninfor-mationsgarten zur Situation von Honig- und Wildbienen, ihrer Bedeutung, Haltung und Förderung. Aus der Pottkieker-Sendung vom 18.08.2018 auf Radio Lohro.