Aktive und kurze Geschichte des Botanischen Gartens

Eine grundlegende Neuorganisation der Universität Rostock in den 1990-er Jahren hatte auch eine tiefgreifende Umstrukturierung des Botanischen Gartens zur Folge, mit der eine teilweise Neuausrichtung der Inhalte einher ging. Der alte Garten an der Doberaner Straße wurde aufgegeben und in den bereits bestehenden Garten an der Hamburger Straße überführt, die Gewächshausfläche wurde deutlich verringert und dabei ein erster Bauabschnitt der heutigen Loki-Schmidt-Gewächshäuser errichtet. Die Pflanzenpflege wurde auf eine rein biologische umgestellt und der gesamte Botanische Garten nunmehr als ökologischer Kreislaufgarten bewirtschaftet, von einzelnen Sondermaßnahmen für spezifische Pflanzenkulturen abgesehen. Wie die gesamte Universität Rostock deckt auch der Botanische Garten seinen Strombedarf mit 100 % Ökostrom, mit dem auch das Allzweckfahrzeug des Botanischen Gartens betrieben wird.

Bauliche und strukturelle Maßnahmen wurden fortan mit wesentlicher Unterstützung des 1995 gegründeten Freundeskreises Botanischer Garten Rostock e.V. und externer Partner umgesetzt, darunter lokale Sponsoren und Partner an der Universität Rostock, sowie mit eingeworbenen Drittmitteln. Im Zuge dessen entwickelte sich wertvolle Zusammenarbeit mit ehrenamtlich Aktiven vor allem aus Naturschutzorganisationen in Nordostdeutschland, um gemeinsam wirksame Maßnahmen zur Erhaltung pflanzlicher Ressourcen in Nordostdeutschland zu entwickeln.

Eine hiermit verknüpfte inhaltliche Neuausrichtung besteht in einer verstärkten Entwicklung von Anlagen einheimischer Biotope im Freigelände des Botanischen Gartens, in denen wesentlich größere und damit genetisch reichhaltigere Populationen vom Aussterben bedrohter Arten gehalten werden können. Ferner dienen Biotopanlagen als naturnahe Bildungs- und Studienbereiche, die begangen und beprobt werden können. Sie werden häufig bei der Bildungsarbeit mit Schulklassen im Rahmen des Projekts "Unigarten macht Schule" genutzt, das der Freundeskreis Botanischer Garten auf ehrenamtlicher Basis in Nachfolge der ehemaligen städtisch getragenen Botanikschule eingerichtet hat, die um die Jahrtausendwende eingestellt wurde. Als weiterer permanenter Partner der Studien- und Bildungsarbeit im Botanischen Garten fungiert der Lehrstuhl Fachdidaktik Biologie, der in einem ihm übereigneten Bereich einen sog. Hochschulgarten für die gemeinsame Ausbildung künftiger Lehrerinnen und Lehrer mit Schülergruppen betreibt. Ein weiteres Projekt, dem ein eigener Bereich im Botanischen Garten übertragen wurde, befasst sich mit Bildungsangeboten und Anwendung der Gartentherapie im medizinischen Kontext.

Damit dient der Botanische Garten dank aller Aktiven heute als reichhaltiger Veranstaltungsraum für Lehre und Bildung der Öffentlichkeit und als großes Freilandlabor universitärer Forschung.


Inhalt und Gestaltung der Webseiten des Botanischen Gartens: Dr. Dethardt Götze. Englische Übersetzung: Carl Skarbek.