29.–30. September 2018: 40. Landes-Pilzausstellung Mecklenburg-Vorpommern

Alljährlicher Höhepunkt der Pilzsaison ist die größte Freilandschau von Frischpilzen in Deutschland, die der Botanische Garten seit 1978 ausrichtet in Kooperation mit dem Gesundheitsamt der Hansestadt Rostock, dem Landesamt für Gesundheit und Soziales Mecklenburg-Vorpommern, dem Freundeskreis Botanischer Garten Rostock und den Rostocker Kakteenfreunden der Deutschen Kakteen-Gesellschaft e.V. Bei für Pilze günstiger Witterung werden hier bis zu 350 Arten heimischer Großpilze frisch präsentiert.

Während der Ausstellung und an jedem Wochenende zur Pilzzeit im Spätsommer und Herbst stehen ehrenamtliche Pilzberater bereit, um Auskunft zu geben, ob gesammelte Pilze essbar, ungenießbar oder giftig sind. Die zentrale Ausstellung und Beratung (Diagnose von Sammlerfunden) werden durch jährlich wechselnde Programmpunkte ergänzt, wie Duft- und Taststrecke, Färben von Wolle mit Pilzfarbstoffen, Pilz-Wissensrallye mit Glücksrad, Pilz-Karikaturen, eine internationale Briefmarkenausstellung von 424 Pilzarten in 1174 Motiven, Verkauf von Pilzliteratur, Pilzgerichten und weiteren Speisen und Getränken, umfassende Informationen zu Pilzen und ein Sukkulentenbasar. Für Kinder halten wir eine Bastelstrecke und dokumentenechte Tinte aus Tintlingen und Feder bereit, womit man wie im Mittelalter schreiben kann. Erstmals können sich in diesem Jahr Kinder schminken lassen, der Holzbildhauer Domröse wird eine Holzskulptur erschaffen, und der Naturheilpraktiker Dr. Jörg Köhn wird die besondere Heilanwendung einiger Pilzarten vorstellen und an beiden Tagen um 16 Uhr eine Führung zu ausgewählten Heilkräutern im Botanischen Garten anbieten.

Die Ausstellung ist an beiden Tagen von 10 bis 18 Uhr geöffnet, ferner die Loki-Schmidt-Gewächshäuser, durch die Führungen nach Bedarf angeboten werden. Aufgrund der zeit- und kostenintensiven Vorbereitung der Ausstellung wird ein Eintritt von 3/2/1 Euro erhoben (Erw./erm./Kinder).
 

Rückblick: 40 Jahre Landes-Pilzausstellung

Von Ria Bütow, leitende Pilzberaterin für die Hanse- und Universitätsstadt Rostock.


Veranstaltet vom Botanischen Garten der Universität Rostock in Kooperation mit dem Landesamt für Gesundheit und Soziales MV und dem Gesundheitsamt Rostock, wird die Ausstellung traditionell am letzten Wochenende im September auf dem Freigelände an der Hamburger Straße durchgeführt. Im Vordergrund stehen die Präsentation der Formenvielfalt dieser Organismengruppe aus unserer Region und die Aufklärung über die Essbarkeit und Giftigkeit von Pilzen.

Die erste Pilzausstellung 1978 wurde von der damaligen Kustodin, Frau Dr. Isolde Geißler (1932–2009) initiiert. Das Sammeln der Pilze für die ersten Ausstellungen erfolgte durch den Kreisnaturschutzbeauftragten und Pilzberater Joe Duty (1931–1990) mit seiner mykologischen Arbeitsgemeinschaft, den Biologen Dr. Volkbert Kell (1937–2014) mit Studenten und Kollegen der Sektion Biologie und die Mitarbeiter des Botanischen Gartens. Später waren es vor allem die ehrenamtlichen Pilzberater, welche die Pilze in den Wäldern um Rostock sammelten, sie bestimmten, den Aufbau und die Betreuung der Ausstellungen übernahmen. Unterstützt wurden sie dabei von den Mitarbeitern des Botanischen Gartens.

Waren es zunächst nur wenige Pilzarten, 1978 etwa 31, so werden gegenwärtig ca. 250 bis 350 Arten ausgestellt, je nach Pilzaufkommen. Nur einmal, im Jahr 2002, musste die Ausstellung wegen extremer Trockenheit ausfallen. Die Ausstellungen wurden in den vergangenen 40 Jahren von ca. 111.000 interessierten Bürgen besucht. Sie gehört heute zu den größten Freilandausstellungen Deutschlands.

War es anfangs eine reine Pilzlehrschau, so wurde durch die besonderen Aktivitäten des Technischen Leiters, Bernd Springer, der Kustoden, Dr. Johannes Nauenburg (1951–2010) und Dr. Dethardt Götze, und der Pilzberater das Programm für die Pilzausstellung kontinuierlich erweitert. Dazu gehören das Anlegen eines Pilzlehrpfades, Pilzquiz für Kinder und Erwachsene, Bastelmöglichkeiten mit Naturmaterialien, Pflanzenbasare, Pilzbuchverkauf, Ausstellung von Pilzbriefmarken und Pilzkarikaturen, Färben von Wolle und Seide mit Pilzen, Malen und Schreiben mit echter Tintlingstinte, das Erkennen von typischen Pilzgerüchen an einem Geruchstisch, Aufstellung vieler Informationstafeln über Pilzvergiftungen, den Einsatz von Pilzen in der Heilkunde, Verwechslungsmöglichkeiten (Doppelgänger) und Verbrauchertipps.

Einen besonderen Beitrag stellten die Führungen von Schulklassen am Montag nach der Pilzausstellung durch die Pilzberater in den Jahren 1998–2011 dar. Nach anfänglich großer Beteiligung der Schulen ließ die Nachfrage an dieser Veranstaltung nach, so dass dieser wesentliche Beitrag zur Pilzaufklärung der Schüler leider eingestellt werden musste.

Großen Zuspruch finden während der zweitägigen Pilzausstellung die gleichzeitig durchgeführten Pilzberatungen. Die im Auftrag des Gesundheitsamtes ehrenamtlich tätigen Rostocker und Doberaner Pilzberater sichten das von den Pilzsammlern mitgebrachte Pilzmaterial und gruppieren es in „essbar“, „ungenießbar“ und „giftig“. Dabei geben sie wertvolle Tipps zum Sammeln und Verarbeiten.

Möge sich diese lobenswerte Tradition in den kommenden Jahren halten und weiterentwickeln, begeisterte Naturfreunde und gesunde Pilzsammler werden es danken.
 

Statistische Angaben zu 40 Jahren Landes-Pilzausstellung in Rostock (alle Zahlen gerundet)

Anzahl der Pilzberatungen29.400
Anzahl der einzelnen Pilzbestimmungen169.200
Anzahl der in den 40 Jahren vorgestellten Pilzarten1.250
Durchschnittliche Artenzahl je Ausstellung270
Besucherzahl (1978–2017)111.000
Bei Beratungen aussortierte Giftpilze38.900
Anzahl der aussortierten tödlich giftigen Pilze530

Die Auflistungen der ausgestellten Pilz-Taxa der letzten Jahre können Sie unten als pdf-Dateien herunterladen.

Kontakt

Tel.: 0381/498-6250
Fax: 0381/498-6253
botanischer.garten(at)uni-rostock.de